Ein Jahr zuvor hatte die Berliner ,,Musikhandlung und verbesserte Musikdruckerey" von Johann Karl Friedrich Rellstab mit dem Druck von ausgewählten Mozart-Arien begonnen. Die erste vollständige Berliner Opernveröffentlichung - ein Klavierauszug der ,,Zauberflöte" – erschien im Jahr 1793. Die Kritiker in der preußischen Hauptstadt gingen bisweilen auf Distanz zu dem jungen Genie aus Österreich: man riet ihm - nach der Premiere der ,,Entführung" - bei Dittersdorf das Komponieren komischer Opern zu erlernen. Oft habe er ,,die Gränzen des Empflndungsvermögens des hiesigen Publikums" überschritten, bei ,,Cosi fan tutte" sei das Publikuin ,,kalt geblieben" während ,,die Musikkenner entzückt waren". Im Dezember 1791 meldet das ,,Musikalische Wochenblatt" (in Berlin herausgegeben von Johann Friedrich Reichardt): ,,Prag. den I2ten Decemb ...Mozart ist - todt. Er kam, von Prag kränklich heim, siechte seitdem immer... er starb zu Wien Ende voriger Woche. Weil sein Körper nach dem Tode schwoll. glaubt man gar, daß er vergiftet worden sei. Eine seiner letzten Arbeyten soll eine Todtenmesse gewesen seyn...." Zwar bekrittelte die Berliner Kritik auch nach dem Tode des Meisters das ,,endlose Gemozarte" und den ,,poetisclien Unsinn" in seinen Libretti. Aber bald war man sich über den angeblichen ,,Modekomponisten" einig - das ,,Berlinische Archiv der Zeit und ihres Geschmacks" schrieb 1795: ,,Mozart ist eins der größten musikalischen Genies. die je gelebt haben". Doch: ,,Seine Opern wimmeln, neben den unnachahmlichen musikalischen Schönheiten, von Fehlern gegen den richtigen Ausdiuck, gegen Theatereffect, gegen Declamation und Recitatiion." Auf einer Rundreise durch Norddeutschland macht der 33-jährige Mozart in Berlin Station. Am 19.Mai 1789 hier eingetroffen, besucht er inkognito die hiesige Aufführung seines Singspiels „Die Entführung aus dem Serail“. Ludwig Tieck, der an jenem Dienstag zufällig die gleiche Vorstellung besucht, erinnert sich, als er: „lange vor dem Anfange der Vorstellung die halbdunklen, noch leeren Räume des Theaters betrat, erblickte er im Orchester einen ihm unbekannten Mann. Er war klein, rasch, beweglich und blöden Auges, eine unansehnliche Figur im grauen Überrock.“ Es war Mozart. Während der Aufführung korrigiert der Komponist, da das Orchester nicht immer trifft, die Streicher lauthals: „Verflucht! Wolt’s Ihr D greifen!“ Er wird erkannt und auf die Bühne geholt. Am nächsten Tag findet die Vorstellung unter seinem Dirigat in Anwesenheit des Königs statt. Friedrich Wilhelm II. spielt selbst hervorragend Cello im königlichen Orchester, das Mozart als „die beste Versammlung von Virtuosen der ganzen Welt bezeichnet“, obgleich sie noch besser sein könnten, „wenn die Herren zusammen spielen“ würden. Mozart spielt nicht nur vor, er musiziert auch mit dem König im Quartett und übernimmt den Auftrag für 100 Friedrichsdor sechs Klaviersonaten und sechs Streichquartette zu schreiben. Nach Hause an seine Konstanze schreibt er sehnsüchtig-frivole Briefe: „richte dein liebes schönstes nest recht sauber her, denn mein bübderl verdient es... stell dir den Spitzbuben vor, dieweil ich so schreibe, schleicht er sich auf den Tisch... lässt sich fast nicht bändigen... Nun adieu – ich küsse dich Millionenmal ...“ Das Angebot, nach Berlin überzusiedeln und Hofkomponist des Königs zu werden lehnt Mozart ab. Obwohl ihm der König 3000 Taler Jahresgehalt bietet, viermal so viel, wie Mozarts Bezüge in Wien, bleibt dieser in der Kaiserstadt, wo er zwei Jahre später stirbt. Ihm zu Ehren und zugunsten der Witwe veranstaltet der König eine Benefizveranstaltung, eine Aufführung der Oper Titus. Im März 1796 gab es im Berlinischen Opernhaus - mit königlicher Erlaubnis - ein Theaterkonzert zugunsten der Witwe Constanze Mozart, in welchem sie selbst mitsang. "Madame Mozart" - so schrieb die Presse -,,muß eine für Berlin sehr ansehnliche Einnahme gehabt haben." Heute besitzen Berlins Staatsbibliotheken weltweit die meisten Mozart-Autographen - darunter die ,,Zauberflöte', die Jupiter-Symphonie und ,,La clemenza di Tito". Und in keiner anderen Musik-Metropole der Welt gibt es - wie an den drei Berliner Opernhäusern - parallel drei profilierte Inszenierungen der ,,Zauberflöte" (darunter in der Staatsoper Unter den Linden eine Inszenierung mit Bühnendekorationen nach Schinkels Entwürfen). Also doch: Berlin - eine Mozartstadt! Schon im Jahre 1894 wurde hier eine ,,Mozart-Gemeinde" gegründet. Zu ihren prominenten Mitgliedern gehörten damals der Geiger Joseph Joachim, der Komponist Moritz Moszkowski, der Maler Ludwig Passini und der Schriftsteller Friedrich Spielhagen. Rund ein Jahrhundert danach gibt es jetzt wieder eine Mozartgesellschaft Berlin-Brandenburg e.V, die die Tradition der ,,Mozart-Gemeinde" fortführt. In der Satzung von 1997 heißt es: "Zweck des Vereins ist die Pflege der Tonkunst im allgemeinen und die Pflege der Werke von Wolfgang Amadeus Mozart im besonderen auf gemeinnütziger Grundlage. Der Satzungszweck wird verwirklicht insbesondere durch Durchführung kultureller Veranstaltungen (Konzerte, Theateraufführungen, Lesungen, Ausstellungen u.ä.), wissenschaftliche Publikationen, Förderung von Künstlern, Jugendarbeit und Pflege des Musizierens in Chor und Orchester." Die Mozartgeselischaft ist im Vereinsregister Lübben/Spreewald eingetragen: in der Stadt des barocken Liederdichters Paul Gerhardt fand 1997 (erstmals in Brandenburg) das Deutsche Mozartfest statt. Haben Sie Lust, Mitglied zu werden, beim Wiederaufbau der einst größten Mozartgemeinde dabei zu sein - und dem Thema "Mozart in Berlin und Brandenburg" nachzuspüren?" Schmücken Sie sich mit unseren Papagenofedern! |
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